Das Archipel Fernando de Noronha
Allgemeines



Fernando de Noronha ist ein Archipel vulkanischen Ursprungs und bildet die Spitze eines Unterwassergebirges, dessen Fuß 4.000 m unter dem Meeresspiegel liegt. Die Inselgruppe befindet sich 545 km (ca. 290 Seemeilen) nordnordöstlich von Recife und 360 km (190 Seemeilen) nordöstlich von Natal. Die geographische Lage ist: 03°54'S, 032°25'W.  Fernando de Noronha gehört seit 5.10.1988 zum Bundesstaat Pernanmbuco (Hauptstadt Recife), obwohl es eigentlich näher an Rio Grande do Norte (Hauptstadt Natal) liegt.
  


Die Inselgruppe wurde von der Unesco zum Weltnaturerbe und Naturdenkmal und von Brasilien zum Marine-Nationalpark und Naturschutzgebiet erklärt. Zwei der Gründe der Unesco: Die Vielfalt verschiedenster Spezies von Meeresbewohnern und die weltweit einzigartige Massenansammlung von Delphinen.
Um dieses Naturweltwunder zu erhalten bedarf es einiger Verhaltensregeln, die Sie im Nationalpark beachten sollten:
- Nehmen Sie nichts aus dem Nationalpark mit. Samen, Pflanzen, Früchte, Tiere, Korallen und Muscheln die Sie finden, sind Teil der Natur und sollten dort auch bleiben.
- Jagen, Fischen und die Tiere zu belästigen sind Straftaten.
- Es ist verboten die Tiere zu füttern.
- Es ist verboten mit Haustieren den Nationalpark zu betreten. Diese können dort Krankheiten verbreiten.
- Lassen Sie nichts im Nationalpark. Müll wird in den zahlreichen im Park vorhandenen Mülleimern entsorgt.
- Gehen Sie mit Süsswasser und Strom sparsam um.

Das Archipel besteht aus 21 Inseln und Inselchen, auf einer Fläche von ca. 26 qkm. Die größte dieser, Fernando de Noronha, hat eine Fläche von ca. 17 qkm, eine Länge von 10 km und max. Breite von 3,5 km. Der Umriss beträgt ca. 60 km. Lediglich diese Hauptinsel ist bewohnt, die kleineren Nebeninseln (ilhas secundarias) dürfen aus Naturschutzgründen nicht besiedelt werden. Naturschutz wird in Noronha sehr groß geschrieben. Die staatliche Naturschutzbehörde IBAMA ist sehr stark auf der Insel vertreten und verhängt teilweise drakonische Strafen bei Verstößen gegen Naturschutzauflagen. Wenn man beim Krebsefangen erwischt wird, zahlt man pro Krebs 500 R$ (ist bereits vorgekommen und wird auch durchgesetzt!).
Die Insulaner haben erkannt, dass die Schönheit der Inselgruppe ihr Kapital ist und haben daher einen sehr ausgeprägten Sinn für Naturschutz, was sich in einer - vor allem für Südamerika außergewöhnlichen Sauberkeit widerspiegelt. Zigarettenkippen wegzuschnippen ist verpönt und man kann darauf warten, daß man darauf angesprochen wird. Bereits den Kindern wird erfolgreich ein Umweltbewusstsein eingeprägt. Sie werden kaum ein einheimisches Kind sehen, das ein Bonbonpapier unachtsam wegwirft.

Ganz besonders geschützt ist die Unterwasserwelt. Im Archipelbereich ist es nur erlaubt, und nur in ausgewiesenen Bereichen, mit Angel oder Angelleine zu fischen. Netze sind - außer beim Sardinenfischen - strengstens verboten, Harpunen undenkbar. Als ich vor einigen Jahren auf die Insel geflogen bin, stieg ein 'Gringo' aus dem Flieger, dem eine Harpune aus dem Rucksack heraussah. Ihm wurde am Flughafen die Einreise verweigert. Er wurde postwendend wieder aufs Festland, mitsamt seiner Harpune zurückgeschickt.
Noronha lockt aufgrund ihrer Schönheit Tauchtouristen aus aller Welt an und gilt unter Tauchern als Geheimtipp mit Weltranglistenplatz 5. Weltweit einzigartig ist die Massenansammlung von Delphinen auf engstem Raum. In der Baia dos Golfinos wurden bereits 1.200 dieser imaginären Tiere gezählt.
Man muss nicht unbedingt Tauchen, bereits beim Schnorcheln hat man Gelegenheit, wenn man die richtigen Plätze kennt, Meeresschildkröten, Mantarochen, Moränen, immense Fischschwärme und auch ab und zu, wenn auch selten und nur an gewissen Stellen, einen Hai zu sehen. Die Haie sind bei uns im Gegensatz zu den "Großstadthaien", z.B. denen in Recife harmlos. Das liegt daran, dass sie aufgrund des Fischreichtums einen stets gedeckten Tisch haben - am Festland, in der Nähe von Großstädten ist das Meer leergefischt. Die maritime Umweltverschmutzung dort macht die hungrigen Tiere noch aggressiver. In Recife liest man wöchentlich von "Shark-Attaks", ich empfehle nicht, dort schwimmen zu gehen. In Noronha habe ich mich bei vielen Einheimischen über Zwischenfälle mit Haien erkundigt. Tödliche Zwischenfälle sind nicht einmal aus Überlieferungen bekannt.
Mir persönlich ist nur ein Meeresbewohner etwas suspekt - die Muräne. Besonders beim Baden in den zahlreichen "Piscinas naturais" (natürlichen Schwimmingpools) ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Von einer Muräne gebissen hat man zunächst das Problem, diese wieder loszuwerden - die Zähne sind wie Widerhaken. Danach hat man gute Chancen eine Blutvergiftung zu bekommen - der Speichel dieser hässlichen Dinger ist giftig.

Neben den Tauchern lockt die Insel noch eine andere sportliche Zielgruppe an, die Surfer (nicht Windsurfer, sondern Wellenreiter!). Besonders im brasilianischen Sommer - zwischen Oktober und März - wenn die Wellen höher sind, wird Noronha zu einem Surfparadies. Im Februar sind die brasilianischen und die internationalen Surfmeisterschaften von Hang-Loose® und die Insel wimmelt von Surfern.

Ein gewisser Nachteil Noronhas ist das, für Brasilien relativ hohe Preisgefüge. Ich habe mir abgewohnt hier Preispeispiele zu nennen. Ich wäre ständig mit der Überarbeitung dieser Homepage beschäftigt. Rechnen Sie einenFaktor zwei bis drei auf die Preise des brasilianischen Festlandes. Dementsprechend teuer sind auch die Unterkünfte. Selbst außerhalb der Hauptreisezeit (zwischen Weihnachten und Carneval, wenn die Brasilianer Urlaub machen) werden Sie kaum eine Unterkunft unter 100 R$ pro Person im Doppelzimmer finden und das ist unterste Kategorie. Extrem wird es zwischen Weihnachten und Sylvester. Dann muss alles was in Brasilien Rang, Namen und v.a. sehr viel Geld hat in Noronha Sylvester feiern. Dann sind beispielsweise die Tagesmieten für einen Buggy 500 R$ statt sonst 180 R$ und ohne Vorbuchung werden Sie keinen bekommen - meiner ist in der Regel ein Jahr vorab gebucht und bezahlt.
Das hohe Preisgefüge auf Noronha ist darauf zurückzuführen, dass alles per Schiff oder Flugzeug auf die nsel gebracht werden muss. Des Weiteren sind die Insulaner verwöhnt. Die Besucherzahlen sind beschränkt (ca. 500 Touristen können gleichzeitig auf der Insel sein, was bei ca. 5.500 permanenten Einwohnern relativ wenig ist). Die Betonung liegt auf können nicht dürfen. Ein weitverbreitetes Gerücht, die Besucherzahlen seien limitiert entspricht nicht der Wahrheit. Wer einen Flug hat darf auch rein. Allerdings liegt hier der Knackpunkt, die Flüge sind trotz der übertriebenen Flugkosten oft ausgebucht. Der Hin- und Rückflug von Recife kostet im Moment zwischen 900 und 3.500 R$, je nach Reisezeit und Ausbuchung der Flieger. Buchen Sie rechtzeitig, je voller die Flieger werden desto mehr ziehen die Preise an. Wenn Sie Probleme haben einen Flug online direkt bei der Airline zu buchen (siehe Link "Wie man hinkommt!) und die horrenden Aufschläge der Reisebüros nicht zahlen wollen, wenden Sie sich an mich, ich kann für Sie buchen.
Ein weiteres Gerücht, man müsse eine Unterkunft bei der Einreise nachweisen, entspricht nicht der Wahrheit. Ich habe des Öfteren Besuch von Bekannten, die bei mir wohnen. Sie lassen auf die Frage nach "hospedagem" das Feld leer, bzw. geben "Particular" (privat) an.
Kein Nachteil ohne Vorteil - aufgrund der Preise bleibt Noronha von "Ballermann 6" und "All-Inclusive" - Touristen verschont. Auch Sextourismus, wie an vielen Stellen in Brasilien, gibt es auf Noronha nicht. Ich würde den Tourismus als Eco-Tourismus bezeichnen. Unsere Touristen sind gut situiert, gebildet und beteiligen sich am Naturschutz. Übrigens kommen ca. 85% der Touristen aus Brasilien selbst, vornehmlich reiche Paulistas (aus São Paulo), Cariocas (aus Rio) und Gaúchos (Südbrasilianer).

Jetzt wollen Sie sicher wissen, wie's dort aussieht.
Eine Karte, Google-Earth Luftansicht oder eine virtuelle Reise vermitteln einen Eindruck.
Oder Sie sehen sich ein paar Bilder aus meiner Fotogalerie oder von unserem Inselfotographen João an.
Folgende Kurzvideos (RealPlayer erforderlich) helfen Ihnen, sich ein Bild von unserer "Perle" zu machen:
Video Ecotourismus
Video Schildkröten
Video "Noronha minha cereja"
Video "Noronha - Bar do Cachorro"
Video "Hino-Noronha"
Wenn Sie sich bereits verliebt haben können Sie sich ein Desktop Hintergrundbild hier holen oder betrachten Sie Noronha mittels Livecam.
Das alles kann jedoch die Schönheit Fernando de Noronhas nur begrenzt wiedergeben. Wem das zu langweilig ist, dem hilft nur noch der Weg ins Reisebüro. Ein Besuch Noronhas - Vale a pena - wie der Brasilianer sagt- es ist es wert!
Abschließend noch ein Zitat meines langjährigen Freundes und Reisebegleiters Werner Merkel, das ich mir des Öfteren ins Gedächtnis rufe um schätzen zu können wo ich bin: "Ich kenne viele schöne Orte dieser Welt, aber keinen, an dem es so viele schöne Plätze zusammen gibt."